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Mieterprotest in der
Yorckstraße 59 Alternatives Wohnprojekt fürchtet, dass
der neue Eigentümer die Miete verdoppelt Von Wolfgang
Rex Gestern standen sie in Charlottenburg vor
dem Haus Kantstraße 134, die Mieter der Yorckstraße 59 in Kreuzberg. Sie
fürchten, dass der neue Eigentümer ihres Hauses die Miete verdoppelt: »Das
können und wollen wir nicht bezahlen«, sagte Alvarez Uribarri, eine der 60
Bewohnerinnen dieses Hauses. Außerdem versuche der Vermieter, politische
Meinungsäußerungen im Haus zu verhindern. Deshalb zogen Mieter und ihre
Freunde gestern zum Sitz der »GbR Yorckstraße 59«, dem Eigentümer. Sechs
Polizeiwagen erschienen vor Ort. Die Taschen von jungen Leuten, die vor
dem Haus in der Kantstraße stehen blieben, wurden durchsucht. Polizei
sperrte auch den Hauseingang. Das Wohnprojekt existiert seit 1989. Die
aus dem Jahr 1896 stammende rote Fabrik wurde von den neuen Mietern zu
einem Wohnhaus umgebaut. Räume für acht große WG entstanden, sagte Alvarez
Uribarri. Außer als Wohnort wird das Haus von alternativen Projekten
genutzt. Hier findet man die Antirassistische Initiative, das
Solidaritätskomitee für Mumia Abu-Jamal, das Berliner Figurentheater oder
den Nachrichtenpool Lateinamerika. Als der frühere Eigentümer Konkurs
anmeldete, wollten die Bewohner das Haus kaufen. Die Bank verhandelte
offensichtlich parallel mit anderen Bewerbern, so Alvarez Uribarri. Den
Zuschlag bekam die Charlottenburger GbR. Auch gestern wollten die Mieter
dem derzeitigen Eigentümer einen Hauskauf anbieten. Finanziert werden
könnte es mit Hilfe des Freiburger Mietersyndikats, hoffen die Bewohner.
In Freiburg an der Grenze zur Schweiz entstanden die ersten alternativen
Kaufprojekte. Zwei Berliner Wohngemeinschaften arbeiten nach dem
Freiburger Modell, die Häuser in der Oranienstraße 45 (Kreuzberg) und in
der Grünberger Straße 73 (Friedrichshain). Das Haus in der Grünberger
wurde 1990 besetzt, 1993 zum Mietshaus in Selbstorganisation der Bewohner
erhoben. Auf 1747 Quadratmetern gibt es Wohnraum für 37 Mieter. Die Miete
liegt bei 2,20 Euro pro Quadratmeter. Die Umbaukosten gibt das Syndikat
mit 1,1 Millionen Euro an. Für das Projekt Oranienstraße 45 wird die
gleiche Summe genannt. Mit dem Freiburger Modell bekommt der Hausverein
die Rechte eines Eigentümers, die Bewohner bleiben Mieter. Auf die Art
muss sich kein Bewohner lebenslang für die Alternative zum herrschenden
Wohnungsmarkt entscheiden. Jeder kann ausziehen, wann es ihm passt. Geld
zum Sanieren oder zum Umbau steuert das Freiburger Syndikat bei. Das
bittet Bundesbürger um Kredite, die mit dem Sparbuchsatz (höchstens aber
mit drei Prozent) verzinst werden. Das macht die Kredite für die Umbauer
billig. Die Rückzahlung erfolgt über die Mieteinnahmen. Für den Fall
vorüber gehender Geldknappheit springt die GLS-Bank (Gemeinschaftsbank für
Leihen und Schenken) ein. Die 1974 gegründete Bank unterstützt seit dem
Zukauf der Öko-Bank rund 3200, vor allem umweltfreundliche,
Projekte.
(ND 25.05.04 link zur originalveroeffentlichung bei
www.nd-online.de |