Berlin/Brandenburg

»Laster und Hänger« in Verdacht
Senatsmitarbeiter will nicht mehr mit Leuten alternativer Projekte reden 
 
Von Wolfgang Rex 
 
Es begann mit einem Eklat. Der Senatsbeauftragte für die Sorgen alternativer Wohnprojekte erklärte gestern, dass er in dieser Funktion nicht mehr arbeiten wolle. An seinem privaten Briefkasten seien Aufkleber mit persönlichen Beleidigungen angebracht worden. Als Tatverdächtige gab er Leute vom Verein »Laster und Hänger« an.
Seine Beschwerde trug der Senatsmitarbeiter gestern vor dem Runden Tisch der alternativen Wohnprojekte vor. Auf eine Debatte wollte er sich nicht einlassen. Eine Sprecherin des Vereins »Laster und Hänger« bestritt die Tat. Das sei Kinderkram, womöglich von einer anderen Gruppe vollbracht. Außerdem habe der Senat nicht einmal beim Verein nachgefragt, ob der Verdacht zutreffe. Der sei bereit, schriftlich zu erklären, dass seine Mitglieder nicht daran beteiligt waren. Der Mann von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung verließ trotzdem die Sitzung des Runden Tisches und drohte, mit den Alternativen nie mehr sprechen zu wollen.
Steffen Zillich, PDS-Abgeordneter, moderierte gestern den Runden Tisch. Er schlug den »Lastern und Hängern« vor, mit Briefen an Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) Gesprächsbereitschaft zu bekunden. Es sollte auch die »unausgesprochene Bereitschaft« bekräftigt werden, keine persönlichen Beleidigungen auszusprechen, so Zillich.
Der gestrige Runde Tisch litt unter einem Mangel. Die Vertreter von der Bezirksverwaltung Friedrichshain-Kreuzberg waren allesamt nicht erschienen. So konnten Fragen zu einzelnen Projekten nicht geklärt werden. Der Verein »Laster und Hänger« steht mit seinen LKW, Wohnwagen und anderen Wohnmitteln derzeit an der Revaler Straße (Friedrichshain). Die Fläche soll im Zusammenhang mit dem Boxhagener Platz umgestaltet werden. Die Leute von »Laster und Hänger« wünschen sich, dass auch ihre Ideen in die Pläne einbezogen werden. Immerhin leiste ihre Gruppe mit Tangoabenden und Freilichtkino auch kulturelle Arbeit im Kiez. Und das aus eigener Kasse, ohne jeden Zuschuss. Erst vorgestern sei es zum Tangoabend wieder brechend voll gewesen.
Ebenfalls offen ist die Zukunft für das Wohnprojekt in der Kreuzberger Yorckstraße 59. Mehrere Vereine nutzen das ehemalige Fabrikgebäude als Arbeits- und Wohnstätte. Im vorigen Jahr wollten die Bewohner mitbieten, als das Haus versteigert wurde. Den Zuschlag bekam ein Hamburger. Im September laufen die Mietverträge für das Wohnprojekt Yorckstraße aus. Diese Lage nutzte der neue Besitzer nach Angaben des Projekts aus, die Kaltmiete zu verdoppeln. Das können und wollen die Mieter nicht zahlen.
Dazu soll auf Vorschlag von Steffen Zillich ein eigener Runder Tisch eingerichtet werden. Daran könnte auch Franz Schulz (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg, teilnehmen. Der stehe zu dem Projekt, versicherten Leute aus der Yorckstraße.

(Neues Deutschand vom 08.07.2004)
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