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Als die Bewohner des ehemaligen Industriegebäudes in
der Kreuzberger Yorckstraße 59 Ende Juli ein Hoffest feiern wollten,
hatte Verwalter Boris Gregor Marweld nichts Eiligeres zu tun, als am
Hauseingang eine Tafel anzubringen: "Die Nutzung der Innenhöfe auf
dem Grundstück der Yorckstraße 59 für irgendwelche Feste, Feiern,
Kundgebungen oder ähnliches wird ausdrücklich untersagt."
Die 60 Mieter ließen sich nicht beirren und feierten
trotzdem - nur die Bands spielten abseits auf einer Bühne an der
Hagelberger Straße - "bewacht" von einem großen Polizeiaufgebot.
Es war nicht die erste Schikane des neuen Hausbesitzers
Marc Walter aus Hamburg und wird wohl auch nicht die letzte sein.
Zum Beispiel lässt die Hausverwaltung wöchentlich sämtliche Plakate
in den Durchgängen entfernen. Für die Kosten sollen die Mieter
aufkommen. Der Hof soll von Tischen und Stühlen geräumt werden. Auch
die Transparente mussten abgenommen werden - aus
"Brandschutzgründen". Der Vermieter sammelt offensichtlich
außerordentliche Kündigungsgründe.
Das seit 1989 bestehende linke Wohnprojekt - eines der
ältesten in Kreuzberg - steht Verwertungsinteressen im Wege.
Schließlich eignen sich die Räume der acht Wohngemeinschaften
hervorragend als teuer vermietbare Lofts. Was macht es da, dass die
Bewohner immer pünktlich ihre Miete zahlen, dass die
Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg das
Bezirksamt aufgefordert hat, alles Erforderliche zu tun, um das
Projekt zu erhalten und "damit die Vielfalt unterschiedlicher
Lebenskulturen und Lebensweisen im Bezirk zu ermöglichen"?
Der Versuch der Bewohner, das Haus selbst zu kaufen,
wurde von der Bank ignoriert. Aus formalen Gründen haben sie nur
einen Gewerbemietvertrag, der im September ausläuft. Die vom neuen
Eigentümer verlangte Verdoppelung der Miete können sie nicht
aufbringen.
Ein Schiedsgutachter der Industrie- und Handelskammer
(IHK) versucht gerade, einen "marktüblichen" Preis zu ermitteln. Die
Mieter fordern einen Runden Tisch. Die Warnung auf ihren T-Shirts
könnten Marc Walter und sein Intimus vor Ort auf sich beziehen:
"Pass auf, Yuppie, die Luft brennt."
Rainer
Bratfisch
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