(p) yaimp - yet another independent media project 06.April.2005

06.04.2005

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Berlin: Weiteres Hausprojekt bedroht

VON: ARI / INDYNEWS


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Am 30.9. endet der Mietvertrag des Hausprojektes Yorckstraße 59 in Berlin. Können deutliche Proteste das Ende eines weiteren Hauses noch verhindern?


Mit der Yorckstraße 59 steht ein weiteres Projekt vor dem Aus, das neben Wohn-, Arbeits- und Lebensraum für 60 Menschen auch zahlreichen politischen Gruppen und Initiativen Platz bot. Nach den Plänen der neuen Hausbesitzer soll daraus eine sanierte lukrative Geldquelle werden. Den jetzigen MieterInnen wurde die Fortführung des Vertrages angeboten - mit einer Mieterhöhung von 55%. Verständlicherweise wollen die BewohnerInnen und NutzerInnen darauf nicht eingehen.

 

An dieser Stelle herzliche solidarische Grüße nach Berlin - und viel Kraft beim Kampf für die Yorck 59.

 

Uns MünchnerInnen bleibt, uns auch Gedanken zu machen, wie ähnliche Projekte auch bei uns zu realisieren wären. Grund und Bedarf dafür gäbe es sicherlich!

 


 

Auszüge von der Yorck 59-Homepage:

 

Das Hausprojekt Yorck59 befindet sich in der Yorckstraße 59, im Hinterhaus eines schönen alten Backsteinbaus. Die vier Fabriketagen wurden 1989 von einer Gemeinschaft linker Wohngruppen gemietet und ausgebaut. Wir leben und arbeiten dort also seit 15 Jahren, kollektiv, solidarisch und selbstbestimmt; 60 Leute im Alter von 0 bis 43, darunter 10 Kinder. Hier gibt es außer den großen Wohngemeinschaften auch Raum für politische Initiativen, z.B die ARI (Anti-Rassistische Initiative), das Radioprojekt Onda, den Infopool Lateinamerika Poonal, das Anti-Hartz-Bündnis, diverse internationalistische Gruppen sowie ein Atelier. In der Veranstaltungsetage findet ihr im 2. Stock die DruzBar. Jeden 1. und 3. Montag im Monat gibt es hier leckeres Essen, Getränke zum Selbstkostenpreis und regelmäßig Filme oder andere Darbietungen. Diese Etage wird seit vielen Jahren außerdem von nicht-kommerziellen Sport- und Theatergruppen und für Partys, Ausstellungen und politische Veranstaltungen genutzt. In unserem Hof ist Platz für die Kinder und zum Abhängen, Lesen, Sich Treffen und für die alljährlichen Hoffeste, wie jüngst am 31.7. Das Hausprojekt stellt also eine wichtige Infrastruktur für die Nachbarschaft und die linke (Sub-)Kultur dar. Doch nach den Vorstellungen der neuen Hauseigentümer soll dies ein Ende haben.

 

Im Sommer 2003 geriet das Haus in Zwangsverwaltung, da unser alter Besitzer pleite gegangen war. Als wir davon hörten, planten wir, das Haus mit Hilfe der Genossenschaft Freiburger Mietshäuser Syndikat selbst zu kaufen. Doch die Bank verkaufte das Haus im Dezember 2003 an uns vorbei. Der neue Besitzer, ein Herr Marc Walter aus Hamburg, gründete die Yorckstraße 59 GbR, Kantstr. 134. Sein Projekt ist es offensichtlich, dem Haus ein respektables und ansehnliches Äußeres zu geben, um dann genauso respektable Mieten zu kassieren.

 

Die neue Hausverwaltung, Bau-Partner GmbH, die auch in dem Büro in der Kantstr. 134 sitzt, geht von Anfang an auf Konfrontationskurs: Sie versucht, uns Teile der Sanierungskosten wegen angeblicher Selbstverschuldung aufzudrücken. Der Hausverwalter, Boris Gregor Marweld, ebenfalls Kantstr. 134, lässt wöchentlich die politischen Plakate in den Hofdurchgängen beseitigen, die Kosten will er auch auf uns abwälzen. Er beschneidet nicht nur unsere Informationsfreiheit: Den Hof, den wir seit Jahren nutzen, sollen wir räumen. Der neue Vermieter verlangt von uns zudem ab September 2004 mit Ablauf des Mietvertrags mehr als das Doppelte der jetzigen Nettokaltmiete. Das können und wollen wir nicht bezahlen!

Unsere aktuelle Situation /Stand September04/

 

Die IHK

 

Unser Vertrag läuft Ende September aus. Es ist formal ein Gewerbemietvertrag, in dem vorgesehen ist, dass ein Schiedsgutachten von der IHK über die Miethöhe nach Vertragsablauf entscheidet, wenn sich die beiden Parteien nicht über einen Fortlauf des Mietverhältnisses einigen können. Auf unser Angebot an den Eigentümer im Frühling, sich über die Ausgestaltung des Vertrages ab Oktober 2004 zusammen zu setzen, ging er nicht ein. Stattdessen legte er lediglich ein unhaltbares 'Angebot' einer 100%igen Erhöhung der Nettokaltmiete schriftlich vor. Daher haben wir es nun mit einem Gutachten der IHK zu tun. Seit ein paar Tagen liegt es vor und schreibt eine nunmehr 55%ige Erhöhung der Nettokaltmiete fest. Damit war zu rechnen, da es sich bei der IHK um einen Unternehmerverband handelt und das Gutachten die 'marktübliche Miete' ermitteln sollte. Wir sind nun aber weder ein Profitunternehmen, noch überhaupt ein Gewerbe und sowieso einzigartig, politisch und unvergleichlich. Das heißt, eine politische Lösung muss nach wie vor her!

 

Dafür haben wir in den letzten Monaten einiges getan. Kurz gefasst, haben wir für Medienöffentlichkeit gesorgt (nachzulesen auf http://www.yorck59.net)/, Kundgebungen gemacht, waren auf Straßenfesten präsent, haben tolle T-Shirts bedruckt und Soli-CDs verteilt, Hoffeste gemacht, uns im PIRAT (Projekte und Initiativen-Rat) organisiert und der Bezirksverwaltung nahegelegt, uns, als unverzichtbarem Kiezprojekt, bei einem Runden Tisch mit dem Eigentümer den Rücken zu stärken.

 

Die BVV (Bezirksverordnetenversammlung, das Bezirksparlament) hatte sich im Juni für den Erhalt der Yorck59 samt der bestehenden Projektstruktur ausgesprochen. Die Bürgermeisterin Frau Reinauer (PDS) und Bezirksstadtrat Schulz (Grüne/Bündnis90) haben sich nun jüngst mit Marc Walter und Boris Gregor Marweld (Eigentümer bzw Verwalter) getroffen. Diese zeigten sich angepisst von unserer Öffentlichkeitsarbeit und unserer Unterstellung, sie wollten luxusmodernisieren (dabei haben wir klar gesagt, sie würden Luxusmieten verlangen, von Modernisierung war sowieso nie die Rede). Da beide im Vorfeld des Kaufes davon informiert waren, dass wir keine höhere Miete zahlen können, fragt sich, was sie mit dem Haus vorhaben. Angeblich haben sie nichts gegen uns und wollen nur ihre liebe Ruhe. Nun, nach Erstellung des IHK-Gutachtens zeigen sie sich so 'kompromissbereit', uns höchstens noch 5 Jahre bei 55%ig höherer Miete wohnen zu lassen - was sie vertragsgemäß sowieso müssen! Das heißt, sie haben erst in 5 Jahren eine entsprechende Gewinnerwartung, die wohl ihren Kauf so richtig rentabel machen soll, und wollen während dessen einen kleineren aber immerhin fest kalkulierbaren Gewinn einstecken. Unser Plan vom letzten Jahr, das Hinterhaus selbst zu kaufen, steht noch als Angebot. Nach unserer Kalkulation kann das Haus mit den derzeitigen Mieten ohne Verluste bewirtschaftet werden. Anscheinend geht es Walter & Marweld aber ums Prinzip, weshalb sie nicht so schnell aufgeben wollen. Der Begriff 'Eigentumsideologen' fiel in dem Zusammenhang und bringt ihre Haltung wahrscheinlich auf den Punkt. Außerdem investieren sie viel Zeit und Mühe in uns. Denken wir nur an die Versuche, unser Hoffest vom 31.7. zu verbieten, uns prinzipiell die Hofnutzung zu untersagen, oder an die wöchentlichen Plakatentfernungsaktionen in der Hofdurchfahrt und im Treppenhaus. Aktuell verklagen sie uns auf Herausgabe der Namen der Leute, die hier wohnen, wahrscheinlich um Räumungsklagen vorzubereiten. Mit einer Unterlassungsklage wollen sie uns nicht nur die gemeinsame Hofnutzung verbieten, sondern auch Veranstaltungen in unseren Räumen; wegen angeblicher Lärmbelästigung.

Und was machen wir? An der von ihnen geäußerten Sensibilität in Punkto Veröffentlichung des Konfliktes und ihrer Namen müssen wir dran bleiben. Eine gute Öffentlichkeitsarbeit und Druck bzw Solidarität von außen sind die Stränge, an denen wir weiter ziehen müssen, wollen wir uns nicht zu einer 'privatwirtschaftlichen Angelegenheit' degradieren lassen (so die CDUFDP in der damaligen BVV-Sitzung).

 

Yorck59 goes Hamburg

 

Am [...] Samstag, den 11.9., waren wir z.B. in Hamburg bei Marc Walter vor der Haustür. Wegen der kurz zuvor geräumten Wagenburg 'Wendebecken' hatten wir eine gute Mobilisierung und Publizität unserer Demo (die Bild schrieb von anreisenden BerufschaotInnen und KrawalltouristInnen), so dass wir mit mehr als 200 TeilnehmerInnen an den Start gingen. Auch wenn wir die erwartete Schwarze-Block-Stärke nicht ganz erreichten, hatten wir doch eine Menge Spaß wegen der gelungenen Moderation samt Yorck59-Quiz und des zahlreichen Publikums an den Balkonen und Fenstern in der Martin Luther Straße.

 

unser 'wir waren auch da' Fototermin bei der Wendebeckendemo

 

Vor der Hausnummer 21 und an den angrenzenden Häusern waren wie erwartet reichlich Bullen aufgestellt, die Marc Walter unerwartete Öffentlichkeit brachten. Aus einer Nachbarwohnung hing sogar ein Soli-Transparent, während ein interaktives Quiz mit Fragen zu Walter, Marweld und der Yorck59 das Publikum begeisterte, sicher auch angesichts der tollen Preise. Die Frage nach der exakten Lage von Walters Wohnung blieb trotz der versuchten Einbeziehung seiner NachbarInnen leider eher vage beantwortet. Doch da der einzige unbesetzte Balkon der Nr. 21 im 2. Stock links lag, vermuteten wir ihn dort hinter den Gardinen. Anschließend demonstrierten wir gemeinsam mit 1000 weiteren UnterstützerInnen des Wendebeckens gegen die Räumung des Wagenplatzes und für den Erhalt aller linken Wohnprojekte. Bambule überall! Kann gut sein, dass dies nicht der letzte Ausflug der Yorck59 nach Hamburg war - achtet auf Ankündigungen.

 

Yorck59 goes Friedrichstraße

 

Für den 30.9. planen wir aber wieder etwas heimeligeres, eine Kundgebung vor einer jüngst erworbenen Immobilie von Walter und Marweld in der Friedrichstr. 129, Ecke Claire Waldoff Straße. Das liegt auf der Höhe Oranienburger Straße. Vor wenigen Wochen erwarben die beiden unter dem Label 'GbR Friedrichstr. 129' den Gebäudekomplex mit Mietwohnungen und Gewerberäumen, der die Grundstücke Friedrichstr. 129 und Claire Waldoff Str. 2, 4, 6, 8, 10 und 12 umfasst. Die Hausverwaltung macht, wie bei uns, die Bau-Partner GmbH. Ein lukratives Filetgrundstück, das sicher einiges abwerfen wird, sofern die Gewerbemieten wieder steigen oder die Immobilie z.B. luxusmodernisiert wird (mit entsprechenden Folgen für die jetzigen MieterInnen...). Dort wollen wir auflaufen und den beiden zeigen, dass wir auch am letzten Tag unseres alten Mietvertrages nicht aufhören für den Erhalt unseres Projektes zu kämpfen.!!

Wir haben schon ganz andere klein gekriegt.

 

Unsere Hauskampf-Geschichte ist auch nicht ohne. Schon vor 9 Jahren hat es das Duo Penz&Garski mit uns zu tun bekommen. Sie wollten unsere Miete vervierfachen. Doch wir gingen ihnen mit öffentlichen Aktionen vor den SORAT-Hotels, der Veröffentlichung von Dietrich Garskis Geldgeschäften (er ist beim Senat mit über 45,-Mio Eu verschuldet) und durch die vielen Solidaritätsbekundungen gehörig auf die Nerven. Am Ende mussten sie sich am runden Tisch mit uns einigen. Nur aufgrund unseres damaligen Widerstandes existiert unser Hausprojekt immer noch und das werden wir auch diesmal schaffen.

 

Wir werden uns nicht vertreiben und vereinzeln lassen!

Für ein selbstbestimmtes, kollektives Leben!

Yorck59 bleibt!!



http://www.yorck59.net/


erstellt am: 29.09.04
um: 23:57

 
 
 
 

 

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