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12.10.2004
 
Inland
Ronald Weber
 
Wohnprojekt bedroht
 
Berlin-Kreuzberg: Hamburger Hausbesitzer terrorisiert Mieter. Fahrraddemo für Bewohner der Yorck 59
 
Es wohnt sich längst nicht mehr so gemütlich in der Yorckstraße 59 in Berlin-Kreuzberg. Noch immer hat das Haus keine funktionierende Heizung – der Besitzer hatte sie im Laufe des Sommers abgestellt und angekündigt, von Gas auf Öl umzusteigen. Am vergangenen Wochenende schließlich wurden von Unbekannten alle Telefonkabel durchgeschnitten.

Nachdem das Haus, in dem sich seit 1989 ein alternatives Wohnprojekt befindet, im Dezember vergangenen Jahres an einen neuen Eigentümer, Marc Walter, den Vorsitzenden einer Hamburger Unternehmensberatung, verkauft wurde, ließ dieser nichts unversucht, die Bewohner und die im Haus ansässigen Initiativen zu drangsalieren. Mittels einer drastischen Mieterhöhung will er die Bewohner aus dem Haus haben. Diese wehren sich nach Kräften. So kam es seit Bekanntgabe des neuen Vermieters zu mehreren Kundgebungen und öffentlichkeitswirksamen Aktionen, u. a. einer Demonstration vor Walters Wohnhaus in Hamburg (jW berichtete).

Anläßlich einer Kundgebung vor einem Haus in der Friedrichstraße 129, das Walter zusammen mit dem Hausverwalter Marweld gekauft hatte, ließ Walter Flugblätter an die Anwohner verteilen, in welchen er vor den Bewohnern der Yorckstraße als »radikale Elemente« warnte. Das Flugblatt bebilderte er mit Fotos des Innenhofs der Yorckstraße und dort geklebten Antinaziplakaten.

Wes Geistes Kind er ist, zeigte sich, nach Aussage einer Sprecherin der Yorckstraße, während eines Runden-Tisch-Gesprächs, an dem neben dem Besitzer, dem Verwalter und den Hausbewohnern auch die Bezirksbürgermeisterin von Kreuzberg, Cornelia Reinauer (PDS), teilnahm. Walter zeigte sich aufgrund der Öffentlichkeitsarbeit der Bewohner bedroht, stellte aber demonstrativ klar, daß dies an seinen Absichten nichts ändern werde. Das persönliche Schicksal der Leute sei ihm egal, er habe das Haus gekauft und zahle schließlich Steuern. Wenn die Bewohner die mittlerweile von der Industrie- und Handelskammer Berlin auf 55 Prozent festgelegte Mieterhöhung – Walter wollte ursprünglich 100 Prozent – nicht zahlen könnten, sollten sie mehr arbeiten, so Walter. Ansonsten sollten sich die Nutzer, zu denen neben mehreren Groß-WGs auch die Antirassistische Initiative Berlin gehört, eine neue Bleibe suchen.

Die Bewohner der Yorck 59, die sich weigern, die Mieterhöhung anzunehmen und auf gängiges Mietrecht verweisen, rechnen nun mit einer baldigen Räumungsklage. Aufgeben wollen sie aber nicht.

So wird es am 22. Oktober eine Fahrraddemonstration geben. Startpunkt ist die Yorckstraße 59 um 15 Uhr.
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