Aktuelle Diskussionen

Der Kampf um die Yorkstraße 59 in Berlin

Es kam zu keiner Einigung mit den BenutzerInnen und BewohnerInnen.

Umstrukturierung ist Kapitalismus: Aus Geld mehr Geld machen. Für die Stadt heißt das vor allem: Investitionen müssen sich lohnen. Und dabei geht es nicht darum, ob die Investition für möglichst viele nützlich ist, sondern wieviel sie bringt. Erstaunliche Geldbeträge werden ständig in schickere Straßen, Glaspaläste und ganze Viertel gesteckt. Die Stadt erfährt eine kontinuierliche Aufwertung - formal auch Umstrukturierung genannt. Diese Umstrukturierung nach Gutsherren/frauenart - also marktwirtschaftlichen Verwertungsprämissen folgend - wird von den lokalen Eliten bestimmt. ImmobilieneigentümerInnen können Geld scheffeln; PolitikerInnen erfüllen sich ihren Hauptstadttraum und sparen dafür ein wenig an Sozial -und Kulturetat - denn der ökonomische Push kommt bestimmt; die Businessclass freut sich über das gute Geschäftsklima, denn ihre EdelkonsumentInnen habens gerne schnell, sicher und sauber beim Shoppen und Regenerieren.

Uns mit-umstrukturieren?

Spiel- und Lebensräumen für sozial schwächere und verwertungsunwillige Leute verschwinden. Wohnraum, Geschäfte, Spiel & Spaß werden teurer. Wer nicht zahlen kann, muss gehen bzw. bleibt zuhause. Marginalisierung und Vereinzelung sind die Folge. Privatisierung, Kommerzialisierung und Überwachung von öffentlichen Räumen kommen, nicht-kommerzielle, erkämpfte und liebgewonnene Strukturen gehen oder werden illegalisiert. Wagenburgen, besetzte Häuser und selbstorganisierte Klubs werden schikaniert und sollen verschwinden. Wir merken uns an dieser stelle: was jetzt geräumt, geschlossen, gestrichen werden soll, war nicht einfach so da. Vieles ist Ergebnis früherer politischer Kämpfe....


Selbststrukturieren!

Seit Monaten machen die BewohnerInnen des von Räumung bedrohten Hauses in der Yorckstraße 59 in Berlin mit vielfältigen Aktionen auf ihre Situation aufmerksam, ohne dass der Vermieter oder die Hausverwaltung zu Zugeständnissen bereit sind.

Die wollen mit ihren Aktionen Brennpunkte der Umstrukturierung aufzeigen, Praxen des Widerstands vorstellen, erlangtes Wissen und Erfahrungen austauschen und Zusammenhänge deutlich machen. Es geht jetzt um ihre und unsere Projekte, Plätze und Häuser - aber nicht isoliert vom Rest der Stadt. Vernetzt sollen gemeinsame Perspektiven entwickelt werden.


Das Hausprojekt im Hinterhof

Das Hausprojekt Yorck 59 befindet sich im Hinterhaus (HH) eines schönen alten Backsteinbaus in der Yorckstrase 59 im Berliner Bezirk Kreuzberg. Die vier Fabriketagen wurden 1989 von einer Gemeinschaft linker Wohngruppen gemietet und selbstständig ausgebaut.

Seit 15 Jahren leben und arbeiten dort kollektiv, solidarisch und selbstbestimmt 60 Menschen im alter von 0 bis 43 Jahren, darunter 10 Kinder. Außer den großen Wohngemeinschaften bietet das Projekt Yorck 59 Raum für politische Initiativen wie die Antirassistische Initiative (ARI), das Radioprojekt Onda, den Infopool Lateinamerika Poonal, das Anti-Hartz-Bündnis, diverse internationalistische Gruppen und ein Atelier. In der Veranstaltungsetage befindet sich die DRUZBAR, in der jeden 1. und 3. Montag im Monat leckeres Essen und Getränke zum Selbstkostenpreis serviert werden. Diese Etage wird seit vielen Jahren von nicht kommerziellen Sport-und Theatergruppen und für Partys, Ausstellungen und politische Veranstaltungen genutzt.

Das Hausprojekt stellt eine wichtige Infrastruktur für die NachbarInnenschaft und die linke (Sub-)Kultur dar. Doch nach den Vorstellungen der neuen Hauseigentümer soll dies ein Ende haben.


York 59 bleibt!

Im Sommer 2003 geriet das Haus in Zwangsversteigerung, da der letzte alte Besitzer pleite gegangen war. Das Hausprojekt versuchte daraufhin das haus mit hilfe der Genossenschaft "Freiburger Miethäuser Syndikat" selbst zu kaufen. Doch die zwangsverwaltende Bank verkaufte das Haus im Dezember 2003 an dem Hausprojekt vorbei.

Der neue Eigentümer, Marc Walter gründete die "Yorckstrasse 59 Gbr" mit Sitz in der Kantstrasse 134 in Berlin. Nach seinen Vorstellungen soll das Haus schick renoviert werden, um so horrende Mieten zu kassieren. Die neue Hausverwaltung, "Bau-Partner GmbH", die ebenfalls in der Kantstrase 134 sitzt, ging von Anfang an auf Konfrontationskurs. Sie versucht, Teile der Sanierungskosten auf die MieterInnen des Hausprojektes wegen angeblicher Selbstverschuldung umzulegen.

Der neue Hausverwalter, Boris Gregor Marweld, ebenfalls Kantstraße 134, lässt wöchentlich die politischen Plakate in den Hofdurchgängen der Yorck 59 beseitigen, die Kosten versucht er auf die AnwohnerInnen abzuwälzen und untersagt den MieterInnen die Nutzung der Höfe. Verhandlungen der MieterInnen und der Hausverwaltung scheiterten. Im September 2004 sind die alten Mietverträge ausgelaufen und prompt verlangt der neue Vermieter Marc Walter jetzt eine 55% höhere Nettokaltmiete. Nach fünf weiteren Jahren ist mit weiteren Mieterhöhungen zu rechen. Das ist für die BewohnerInnen und die anderen NutzerInnen nicht zu bezahlen. Auf das Angebot der MieterInnen das Gebäude von Marc Walter zu kaufen, wurde nicht reagiert. Jetzt droht den MieterInen die Zwangsräumung.


Konkrete Auswirkungen

Beim letzten Prozesstermin am 29. November 2004 gegen den Färbung e.V., den Hausverein der Yorck59 konnte vorerst eine Verzögerung des Urteils erreicht werden. Bei diesem Verfahren verlangt der Vermieter den Hausverein auf Herausgabe der Namen der Leute, die in der York59 wohnen, um Räumungsklagen vorzubereiten.

Der Verein Färbung e.V. hat nachdem eine Räumngsklage gegen ihn gestellt wurde, bereits seinen Sitz verlegt. Auch die Antirassistische Initiative (ARI) hat vor kurzem die Räumungsklage erhalten. Für die ARI, die seit 13 Jahren antirassistische Arbeit in der Yorck59 leistet, wäre der Verlust der Räumlichkeiten fatal.

Weiters wird mit einer Unterlassungsklage versucht, den BewohnerInnen die gemeinsame Hofnutzung und Veranstaltungen in ihren Räumen zu verbieten; wegen angeblicher Lärmbelästigung.

Eine für 1. Dezember 2004 angekündigte Räumung des 3. Hofes, in dem sich eine Remise mit Fahrrädern und Kinderwägen des Hausprojektes befindet, fand nicht statt. Die BewohnerInnen versammelten sich morgens um 10:00 Uhr zum großen Frühstück in der Hofdurchfahrt um für ihr jahrelanges Nutzungsrecht und gegen die Räumung zu demonstrieren.

Danach machten sich sich 30 mit Trommeln, Trillerpfeifen und Flugblättern bewaffnete AktivistInnen auf den Weg Richtung Hausbesitzer Marc Walter. Lautstark ging es ans Werk, Flyer wurden verteilt und die NachbarInnen auf die Situation der Yorck59 im Zusammenhang mit ihrem Nachbarn Marc Walter aufmerksam gemacht.


--> Linke Freiräume müssen erhalten bleiben!
--> Keine Zerstörung zwischenmenschlicher Strukturen!
--> Keine Räumung der bestehenden Häuser und Plätze!
Yorck59 bleibt!


Weitere Informationen im Internet...

... zum Hausprojekt Yorckstraße 59 und den NutzerInnen unter: www.yorck59.net

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