Ähnlich des EKH in Wien wurde dis York 59 in Berlin verkauft,
weil den BesitzerInnen das Geld ausgegangen war, aber keine Einigung mit den
BenutzerInnen und BewohnerInnen anstebte (Anm: im Gegensatz zur KPÖ ging der
Besitzer in Berlin pleite). Am Freitag, 17. Dezember 2004 finden gleichzeitig in
Wien und Berlin Kundgebungen für den Erhalt der beiden Häuser statt. Hier eine
Information über die York59.
Inhalt- Stadtumstrukturierung?
-
Selbststrukturieren!
- Das Hausprojekt im Hinterhof
- York 59 bleibt!
-
Konkrete Auswirkungen
- Derzeit
- Weitere Informationen im
Internet
Stadtumstrukturierung?Umstrukturierung ist
Kapitalismus: Aus Geld mehr Geld machen. Für die Stadt heißt das vor allem:
Investitionen müssen sich lohnen. Und dabei geht es nicht darum, ob die
Investition für möglichst viele nützlich ist, sondern wieviel sie bringt.
Erstaunliche Geldbeträge werden ständig in schickere Straßen, Glaspaläste und
ganze Viertel gesteckt. Die Stadt erfährt eine kontinuierliche Aufwertung -
formal auch Umstrukturierung genannt. Diese Umstrukturierung nach
Gutsherren/frauenart - also marktwirtschaftlichen Verwertungsprämissen folgend -
wird von den lokalen Eliten bestimmt. ImmobilieneigentümerInnen können Geld
scheffeln; PolitikerInnen erfüllen sich ihren Hauptstadttraum und sparen dafür
ein wenig an Sozial -und Kulturetat - denn der ökonomische Push kommt bestimmt;
die Businessclass freut sich über das gute Geschäftsklima, denn ihre
EdelkonsumentInnen habens gerne schnell, sicher und sauber beim Shoppen und
Regenerieren.
Uns mit-umstrukturieren?
Spiel- und Lebensräumen für
sozial schwächere und verwertungsunwillige Leute verschwinden. Wohnraum,
Geschäfte, Spiel & Spaß werden teurer. Wer nicht zahlen kann, muss gehen
bzw. bleibt zuhause. Marginalisierung und Vereinzelung sind die Folge.
Privatisierung, Kommerzialisierung und Überwachung von öffentlichen Räumen
kommen, nicht-kommerzielle, erkämpfte und liebgewonnene Strukturen gehen oder
werden illegalisiert. Wagenburgen, besetzte Häuser und selbstorganisierte Klubs
werden schikaniert und sollen verschwinden. Wir merken uns an dieser stelle: was
jetzt geräumt, geschlossen, gestrichen werden soll, war nicht einfach so da.
Vieles ist Ergebnis früherer politischer Kämpfe....
Selbststrukturieren!Seit Monaten machen die
BewohnerInnen des von Räumung bedrohten Hauses in der Yorckstraße 59 in Berlin
mit vielfältigen Aktionen auf ihre Situation aufmerksam, ohne dass der Vermieter
oder die Hausverwaltung zu Zugeständnissen bereit sind.
Die wollen mit
ihren Aktionen Brennpunkte der Umstrukturierung aufzeigen, Praxen des
Widerstands vorstellen, erlangtes Wissen und Erfahrungen austauschen und
Zusammenhänge deutlich machen. Es geht jetzt um ihre und unsere Projekte, Plätze
und Häuser - aber nicht isoliert vom Rest der Stadt. Vernetzt sollen gemeinsame
Perspektiven entwickelt werden.
Das Hausprojekt im
HinterhofDas Hausprojekt Yorck 59 befindet sich im Hinterhaus (HH)
eines schönen alten Backsteinbaus in der Yorckstrase 59 im Berliner Bezirk
Kreuzberg. Die vier Fabriketagen wurden 1989 von einer Gemeinschaft linker
Wohngruppen gemietet und selbstständig ausgebaut.
Seit 15 Jahren leben
und arbeiten dort kollektiv, solidarisch und selbstbestimmt 60 Menschen im alter
von 0 bis 43 Jahren, darunter 10 Kinder. Außer den großen Wohngemeinschaften
bietet das Projekt Yorck 59 Raum für politische Initiativen wie die
Antirassistische Initiative (ARI), das
Radioprojekt Onda, den
Infopool Lateinamerika Poonal, das
Anti-Hartz-Bündnis, diverse
internationalistische Gruppen und ein Atelier. In der Veranstaltungsetage
befindet sich die
DRUZBAR, in
der jeden 1. und 3. Montag im Monat leckeres Essen und Getränke zum
Selbstkostenpreis serviert werden. Diese Etage wird seit vielen Jahren von nicht
kommerziellen Sport-und Theatergruppen und für Partys, Ausstellungen und
politische Veranstaltungen genutzt.
Das Hausprojekt stellt eine wichtige
Infrastruktur für die NachbarInnenschaft und die linke (Sub-)Kultur dar. Doch
nach den Vorstellungen der neuen Hauseigentümer soll dies ein Ende
haben.
York 59 bleibt!Im Sommer 2003 geriet das Haus
in Zwangsversteigerung, da der letzte alte Besitzer pleite gegangen war. Das
Hausprojekt versuchte daraufhin das haus mit hilfe der Genossenschaft
"Freiburger Miethäuser Syndikat" selbst zu kaufen. Doch die zwangsverwaltende
Bank verkaufte das Haus im Dezember 2003 an dem Hausprojekt vorbei.
Der
neue Eigentümer, Marc Walter gründete die "Yorckstrasse 59 Gbr" mit Sitz in der
Kantstrasse 134 in Berlin. Nach seinen Vorstellungen soll das Haus schick
renoviert werden, um so horrende Mieten zu kassieren. Die neue Hausverwaltung,
"Bau-Partner GmbH", die ebenfalls in der Kantstrase 134 sitzt, ging von Anfang
an auf Konfrontationskurs. Sie versucht, Teile der Sanierungskosten auf die
MieterInnen des Hausprojektes wegen angeblicher Selbstverschuldung
umzulegen.
Der neue Hausverwalter, Boris Gregor Marweld, ebenfalls
Kantstraße 134, lässt wöchentlich die politischen Plakate in den Hofdurchgängen
der Yorck 59 beseitigen, die Kosten versucht er auf die AnwohnerInnen abzuwälzen
und untersagt den MieterInnen die Nutzung der Höfe. Verhandlungen der
MieterInnen und der Hausverwaltung scheiterten. Im September 2004 sind die alten
Mietverträge ausgelaufen und prompt verlangt der neue Vermieter Marc Walter
jetzt eine 55% höhere Nettokaltmiete. Nach fünf weiteren Jahren ist mit weiteren
Mieterhöhungen zu rechen. Das ist für die BewohnerInnen und die anderen
NutzerInnen nicht zu bezahlen. Auf das Angebot der MieterInnen das Gebäude von
Marc Walter zu kaufen, wurde nicht reagiert. Jetzt droht den MieterInen die
Zwangsräumung.
Konkrete AuswirkungenBeim
letzten Prozesstermin am 29. November 2004 gegen den Färbung e.V., den
Hausverein der Yorck59 konnte vorerst eine Verzögerung des Urteils erreicht
werden. Bei diesem Verfahren verlangt der Vermieter den Hausverein auf
Herausgabe der Namen der Leute, die in der York59 wohnen, um Räumungsklagen
vorzubereiten.
Der Verein Färbung e.V. hat nachdem eine Räumngsklage
gegen ihn gestellt wurde, bereits seinen Sitz verlegt. Auch die Antirassistische
Initiative (ARI) hat vor kurzem die Räumungsklage erhalten. Für die ARI, die
seit 13 Jahren antirassistische Arbeit in der Yorck59 leistet, wäre der Verlust
der Räumlichkeiten fatal.
Weiters wird mit einer Unterlassungsklage
versucht, den BewohnerInnen die gemeinsame Hofnutzung und Veranstaltungen in
ihren Räumen zu verbieten; wegen angeblicher Lärmbelästigung.
Eine für 1.
Dezember 2004 angekündigte Räumung des 3. Hofes, in dem sich eine Remise mit
Fahrrädern und Kinderwägen des Hausprojektes befindet, fand nicht statt. Die
BewohnerInnen versammelten sich morgens um 10:00 Uhr zum großen Frühstück in der
Hofdurchfahrt um für ihr jahrelanges Nutzungsrecht und gegen die Räumung zu
demonstrieren.
Danach machten sich sich 30 mit Trommeln, Trillerpfeifen
und Flugblättern bewaffnete AktivistInnen auf den Weg Richtung Hausbesitzer Marc
Walter. Lautstark ging es ans Werk, Flyer wurden verteilt und die NachbarInnen
auf die Situation der Yorck59 im Zusammenhang mit ihrem Nachbarn Marc Walter
aufmerksam gemacht.
Derzeit
Von 13. bis 18. Dezember
2004 findet in der Yorckstr. 59 HH eine (Widerstands-)Kultur and Kunst Woche
statt.
Und am Freitag, 17. Dezember 2004 finden gleichzeitig ab 11 Uhr
eine Kundgebung vor der österreichischen Botschaft in Berlin für den Erhalt des
EKH und eine Soli-Kundgebung in Wien vor der deutschen Botschaft für den Erhalt
der Yorck59 in Berlin statt.
--> Linke Freiräume müssen
erhalten bleiben!
--> Keine Zerstörung zwischenmenschlicher
Strukturen!
--> Keine Räumung der bestehenden Häuser und
Plätze!
--> EKH bleibt - Yorck59 auch!
Weitere
Informationen im Internet...
... zum Hausprojekt Yorckstraße 59 und
den NutzerInnen unter: http://www.yorck59.net/
... über
PiRat, dem Projekt- und Initiativenrat Berlin, der sich gegen die Politik der
Innenstadtvertreibung im Rahmen der "Berliner Linie" richtet unter: squat.net/pirat
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