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28.12.2004
 
Inland
Ronald Weber
 
Yorckstraße 59 zugemauert
 
Schöne Bescherung: Vermieter ließ zu Weihnachten Eingänge von linkem Wohnprojekt in Berlin versperren
 
Die Bewohnerinnen und Berwohner des linken Projekts Yorckstraße 59 in Berlin sollen raus aus dem Haus. Das zumindest ist das erklärte Ziel des neuen Hausbesitzers Marc Walter. Seit Dezember 2003 gehört ihm das Gebäude, in dem sich seit 1989 das linke Wohnprojekt befindet. Seitdem ließ er sich einiges einfallen, um die Bewohner zu drangsalieren. Drastische Mieterhöhungen, durchgeschnittene Telefonkabel, das Aufkündigen des Nutzungsrechtes für den Innenhof und zerstochene Fahrradreifen gehörten zum Repertoire.

In der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember ließ Walter nun die Fluchttüren des Hinterhauses durch eine Firma aufbrechen. Anschließend mauerten die Arbeiter sowohl die Fluchtwege als auch die Zugänge zur Veranstaltungsetage des Hausprojektes und zu den Büros verschiedener Gruppen, zum Beispiel der Antirassistischen Initiative, zu. Zur Zeit können diese Räumlichkeiten nicht genutzt werden. Das soll wohl auch so bleiben, denn an den Mauern befinden sich Zettel mit der Aufschrift: »An diesen Räumen wird ein Vermieterpfandrecht geltend gemacht – Pfandumkehr ist strafbar und wird zur Anzeige gebracht.«

Walter begründet die Aktion mit dem seiner Ansicht nach ungeklärten Mietstatus der Bewohner. Im September war der Vertrag mit dem Mieterverein Färbung e.V. abgelaufen. Seitdem wird ein neuer Mietvertrag von seiten der eigens von Walter gegründeten GbR Yorckstraße 59 verweigert.

Eine Sprecherin der Yorckstraße 59 äußerte am Montag gegenüber junge Welt: »Mitten in der Nacht still und heimlich die Zugänge zumauern zu lassen, ist bezeichnend für Walters Vorgehen. Aber wir werden uns auch durch solche Maßnahmen nicht einschüchtern lassen.« Bereits in der Vergangenheit hatten Bewohner und Unterstützer mit Kundgebungen und Veranstaltungen auf die Situation des Wohnprojekts aufmerksam gemacht. Angesichts des neuerlichen Angriffs und einer zu erwartenden Räumungsklage in den nächsten Monaten kündigte die Sprecherin weitere Aktionen an.
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