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31.12.2004
 
Inland
Ronald Weber
 
Räumungsklagen gegen Yorckstraße 59
 
Linkes Wohnprojekt in Berlin machte Bekanntschaft mit neuem Vermieter. Er kam und wechselte die Schlösser aus
 
Die Bewohner des alternativen Hausprojektes Yorckstraße 59 in Berlin-Kreuzberg sind mittlerweile einiges gewöhnt. Nachdem das Haus, das die Bewohner seit 1989 mit Gewerbemietvertrag bewohnten, im Dezember 2003 an den Hamburger Unternehmensberater Marc Walter verkauft wurde, ließ dieser nichts unversucht, die in seinen Augen unliebsamen Mieter zum Auszug zu bewegen. Eine Mieterhöhung um 55 Prozent, die Aberkennung der Nutzungsrechte für den als Kinderspielplatz genutzten Innenhof sowie abgestellte Heizungen, zerstochene Fahrradreifen und durchgeschnittene Telefonkabel gehörten zu den Schikanen.

Im September 2004 lief der Mietvertrag mit dem von den Bewohnern der Yorckstraße initiierten Mieterverein Färbung e.V. aus. Seitdem stehen nicht nur das Hausprojekt mit 60 Bewohnern, sondern auch die im Haus ansässigen Büros verschiedener Initiativen, u. a. das lateinamerikanische Radioprojekt Onda und die Antirassistische Initiative (ARI), vor dem Aus.

Nun spitzte sich die Situation erneut zu. In der Nacht vom 23. zum 24. Dezember wurden die Türen der ebenfalls zum Hausprojekt gehörenden Veranstaltungs- und Arbeitsetage aufgebrochen und die Zugänge im Auftrag der Hausverwaltung zugemauert (jW berichtete). Auf einem Zettel hieß es, der Vermieter mache von seinem Pfandrecht Gebrauch. Die von den Bewohnern gerufene Polizei sah sich nicht in der Lage, eine Strafanzeige aufzunehmen. Am Abend des 28. Dezember erschien dann der neue Mieter, bisher nur als Malermeister Lampert bekannt, nebst Polizei, um die Schlösser der Zugangstüren auszuwechseln. Trotz fehlenden Gerichtsurteils half die Polizei beim Schloßauswechseln und weigerte sich erneut, Anzeige aufzunehmen.

Wie es nun weitergeht, hängt von den Gerichten ab. Da der Mieterverein Färbung e.V. mittlerweile offiziell ausgezogen ist, hat Walter Räumungsklage gegen die ARI gestellt. Mittels weiterer Klagen versucht er die Herausgabe der Namen der Bewohner zu erzwingen. Offenbar will er sie auch mit Räumungsklagen belegen. Aktuell können weder die Bewohner noch die verschiedenen Initiativen ihre Räumlichkeiten nutzen.
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