ND vom 13.01.05     Druckausgabe eines Artikels

Yorckstraße 59 im Roten Rathaus
Gesprächsabsage Wowereits an demonstrierende Bewohner des alternativen Wohnprojekts 
 
Von Haidy Damm 
 
Rund 100 Bewohner und Unterstützer des räumungsbedrohten Wohnprojektes Yorckstraße 59 zogen gestern ins Rote Rathaus, um mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zu sprechen.
Vorgelassen wurden sie nicht. »Mit dem Bürgermeister wollen viele sprechen«, hieß es lapidar aus der Senatskanzlei. Zugesagt wurde lediglich, dass es eine schriftliche Antwort des Bürgermeisters geben werde. Die Bewohner fordern nach der jüngsten Eskalation (ND berichtete) einen Runden Tisch. In den bisherigen Verhandlungen habe der Hausbesitzer nur unannehmbare Angebote vorgelegt. So soll die Miete um 55 Prozent auf 3,57 Euro netto/kalt steigen. »In jedem Fall unbezahlbar«, finden die Bewohner. Sie wollten das Haus selbst für 760000 Euro kaufen. Auf das Angebot habe der Hausbesitzer bisher nicht reagiert. Momentan ist das Projekt durch eine Gerichtsentscheidung vom Montag akut von der Räumung bedroht. »Um das zu verhindern, brauchen wir eine politische Lösung«, sagte ein Bewohner am Rande des Besuchs. Die Senatorin für Stadtentwicklung Ingeborg Junge-Reyer (SPD) kündigte indes an, im Bezirk einen Runden Tisch mit allen Beteiligten vorzuschlagen.
Vor dem Roten Rathaus beschloss die Polizei derweil, keine Spontankundgebung zu genehmigen, da der Anlass der Demonstrierenden ja nicht neu sei. Die Bewohner der Yorckstraße hatte früher bereits vor dem Büro des neuen Besitzers Protest eingelegt. Nach einer weiteren spontanen Kurzdemonstration Unter den Linden war dann Schluss. Die Polizei nahm die Personalien einiger Demonstranten auf.

(ND 13.01.05)

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