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24.02.2005
 
Interview
Interview: Harald Neuber
 
»Linksparteien sollten uns mehr unterstützen«
 
Abgeschnittene Telefonkabel, kaputte Heizung: Bewohner eines Berliner Wohnprojektes sollen herausgeekelt werden. Ein Gespräch mit Katja Krüger
 
* Katja Krüger ist Vorstandsmitglied des Vereins Färbung e.V., der das alternative Wohnprojekt in der Yorckstraße 59 in Berlin-Kreuzberg vertritt. Das Projekt – eines der ältesten in Berlin – ist von der Zwangsräumung bedroht.


F: Seit Ende 2003 ist das alternative Wohnprojekt in der Yorckstraße 59 in Berlin bedroht: Hausbesitzer Marc Walter und Verwalter Gregor Boris Marweld wollen die Bewohner aus dem Haus haben. In der vergangenen Woche hat der zuständige Gerichtsvollzieher die Mietverträge für nichtig erklärt. Welche Folgen befürchten Sie nun?

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses stehen unter einem enormen Druck. Es könnte täglich zur Räumung kommen. Unser Verein Färbung e.V. wurde 1988 gegründet, um mit den damaligen Eigentümern Mietverträge abzuschließen. Ende Dezember vergangenen Jahres wurde der Klage des Eigentümers gegen den Verein auf Räumung stattgegeben. Das Gericht berücksichtigte nicht, daß 60 Personen in dem Haus wohnen.

F: In einer Reihe von Erklärungen haben Sie Bedrohungen und Übergriffe von Hauseigentümer und -verwalter beklagt. Was ist geschehen?

Es geht dabei um eine ganze Serie von Vorkommnissen. So wurde die renovierungsbedürfte Heizungsanlage erst sehr spät im Herbst repariert. Die Bewohnerinnen und Bewohner saßen wochenlang ohne Heizung in der Kälte. Auch der Fahrstuhl wurde abgestellt. Die Urheberschaft in anderen Sabotagefällen konnten wir nicht eindeutig zuordnen. Es wurden aber auch frei verlaufende Telefonkabel zerschnitten, Fahrradschlösser verklebt und Reifen zerstochen. In allen diesen Fällen hielt sich Hausverwalter Marweld in der Nähe auf.

F: Nun protestieren sowohl die Bewohner der Yorckstraße als auch Ihr Verein öffentlich gegen solche Vorgehensweisen – unter anderem mit Informationsplakaten. Was erhoffen Sie sich davon?

Wir haben durch diese Öffentlichkeitsarbeit viel Unterstützung mobilisieren können. Dabei ist klar, daß es nicht nur um die Verteidigung des Wohnraumes geht. Der Streit hat auch politische Dimensionen, denn in der Yorckstraße 59 arbeitet eine ganze Menge politischer Projekte.

F: Was würde mit denen geschehen, wenn sich der Hauseigentümer Marc Walter durchsetzen könnte?

Seit der Gründung vor 16 Jahren ist es ein zentrales Anliegen des Projektes Yorckstraße 59, Wohnen, politische und soziale Arbeit unter einem Dach zu vereinen. Bei einem negativen Ausgang des Rechtsstreits wäre die Arbeit unserer Gruppen massiv gefährdet. Ein Beispiel dafür ist die Antirassistische Initiative, die bei uns seit 13 Jahren Büroräume unterhält. Die Initiative ist in dieser Zeit zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Migrantinnen und Migranten geworden. Ob das Projekt weiterexistieren könnte, ist völlig unklar.

F: Gehen Sie denn davon aus, daß eine gütliche Lösung mit dem Besitzer doch noch erreicht werden kann?

Nein, den Eindruck haben wir nicht. Das »Angebot« von Hausbesitzer Marc Walter zum Verkauf des Hauses an uns belief sich auf 2,5 Millionen Euro. Diese Summe ist illusorisch hoch. In Anbetracht dessen und einer Reihe anhängiger Klagen auf Nutzungsentschädigung sieht es nicht so aus, als würden von der Gegenseite ernsthafte Verhandlungen erwogen.

F: Erhalten Sie eigentlich Unterstützung von politischer Seite?

Anfang Februar gab es einen Runden Tisch, an dem auch Bezirkspolitikerinnen und -politiker beteiligt waren. Greifbare Ergebnisse sind dabei aber leider nicht herausgekommen.

F: Würden Sie in Anbetracht der politischen Arbeit, die ja mit dem Wohnprojekt offensichtlich gefährdet ist, mehr Unterstützung erwarten?

Weil der Hausbesitzer Marc Walter keine Fördergelder erhält, ist es sicher schwierig, von politischer Seite Druck auf ihn auszuüben. Aber wir würden schon erwarten, daß sich gerade die linken Parteien öffentlich stärker äußern. Die Teilnahme am Runden Tisch war schon ein entsprechendes Zeichen. Aber wir befürchten auch, daß Vertreter der politischen Parteien letztlich mit dem Verweis auf privatrechtliche Einigung kapitulieren.
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