ND vom 22.03.05     Druckausgabe eines Artikels

Noch Hoffnung für die Bewohner von »Yorck 59«
Innensenator Körting führte Gespräch mit Mietern / Hauseigentümer doch noch zum Tausch bewegen 
 
Von Andreas Heinz 
 
Nach dem eineinhalbstündigen Verhandlungsgespräch mit Innensenator Ehrhart Körting (SPD), Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Franz Schulz und Christian Ströbele (beide Bündnisgrüne) gibt es für die Bewohner des von Räumung bedrohten Hinterhofgebäudes Yorckstraße 59 wieder Hoffnung. Körting sagte dem Mieterrat gestern im Kreuzberger Bezirksamt zu, sich mit dem Eigentümer Marc Walter nochmals an einen Tisch zu setzen.
Er wolle versuchen, ihn doch noch zu bewegen, ein Tauschobjekt aus dem Liegenschaftsfonds zu akzeptieren und die 60 Menschen des seit 16 Jahren existierenden alternativen Wohn- und Arbeitsprojekts »Yorck 59« weiterhin in dem Hinterhofgebäude leben zu lassen. »Uns wurde mitgeteilt, dass sich Herr Walter erst zwei Objekte angeschaut hat, die ihm jedoch nicht zusagten«, erklärte die Sprecherin von »Yorck 59«, Linda Wagner.
»Ich möchte das Problem weiterhin friedlich lösen«, betonte der Innensenator. Er könne als Vermittler allerdings nur an die Vernunft und den guten Willen beider Parteien appellieren. Deshalb wolle er auch noch einmal mit dem Hauseigentümer reden. »Schließlich leben in dem Haus Yorckstraße 59 keine Chaoten. Dort wird anerkannte Arbeit geleistet.«
Der Senator machte aber auch klar, dass es sich bei dem Problem der angedrohten Räumung um eine privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Hauseigentümer und »Yorck 59« handle. Wenn der Besitzer darauf poche, das Haus für seine Zwecke zur Verfügung zu haben, könne er dies gerichtlich durchsetzen. Das Recht habe er. Den Mietern riet Körting, sich ebenfalls nach einem anderen Haus umzusehen. Der Bezirk werde bei der Suche sicherlich behilflich sein, das Land könne nur »hilfreich zur Seite stehen«. Bisher sei »Yorck 59« noch kein Angebot gemacht worden, so deren Sprecherin.
»Wir rechnen dem Senator hoch an, dass er sich so lange Zeit für unsere Probleme genommen hat«, erklärte sie am Ende der 90-minütigen Verhandlungen. Von einem Ultimatum, das Haus bis zum 1.Mai zu räumen, sei nicht mehr die Rede gewesen. Positiv werten die Mieter auch, dass das Land Berlin dem Hauseigentümer weitere Objekte zum Tausch anbieten wolle. Ein bisschen Hoffnung sei nun wieder da.
Der Hausbesitzer biete das Backsteingebäude den Mietern weiterhin zum Kauf an. Der geforderte Preis von 2,5 Millionen Euro sei allerdings »völlig überzogen«. Der Verkehrswert liegt nach Angaben der »Yorck 59«-Sprecherin bei 1,7 Millionen Euro.
In diesem Zusammenhang schlug Christian Ströbele vor, Vorder- und Hinterhaus getrennt zum Kauf anzubieten, was möglich sei. Dann könne der Liegenschaftsfonds Vorderhaus samt Seitenflügel erwerben und »Yorck 59« das Hintergebäude.
Den einst genannten Räumungstermin Ende April hält auch Ströbele für illusorisch: »Da gibt es seit 16 Jahren gewachsene Strukturen, da gibt es Arbeitsstätten und Wohnraum unter einem Dach, da leben auch Kinder. Wo wollen Sie in so kurzer Zeit eine ähnliche Unterkunft finden? Das ist unmöglich!« Für die Mieter der Yorckstraße 59 steht auf jeden Fall fest: »Das Projekt wird das Haus nicht freiwillig und kampflos verlassen. Eine Räumung würde eine Eskalation des Konflikts nach sich ziehen.« Deshalb sehe man es sehr positiv, dass Innensenator Körting noch einmal vermitteln wolle.

(ND 22.03.05)

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