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Noch
Hoffnung für die Bewohner von »Yorck 59« Innensenator
Körting führte Gespräch mit Mietern / Hauseigentümer doch noch zum Tausch
bewegen Von Andreas Heinz Nach dem
eineinhalbstündigen Verhandlungsgespräch mit Innensenator Ehrhart Körting
(SPD), Friedrichshain-Kreuzbergs Baustadtrat Franz Schulz und Christian
Ströbele (beide Bündnisgrüne) gibt es für die Bewohner des von Räumung
bedrohten Hinterhofgebäudes Yorckstraße 59 wieder Hoffnung. Körting sagte
dem Mieterrat gestern im Kreuzberger Bezirksamt zu, sich mit dem
Eigentümer Marc Walter nochmals an einen Tisch zu setzen. Er wolle
versuchen, ihn doch noch zu bewegen, ein Tauschobjekt aus dem
Liegenschaftsfonds zu akzeptieren und die 60 Menschen des seit 16 Jahren
existierenden alternativen Wohn- und Arbeitsprojekts »Yorck 59« weiterhin
in dem Hinterhofgebäude leben zu lassen. »Uns wurde mitgeteilt, dass sich
Herr Walter erst zwei Objekte angeschaut hat, die ihm jedoch nicht
zusagten«, erklärte die Sprecherin von »Yorck 59«, Linda Wagner. »Ich
möchte das Problem weiterhin friedlich lösen«, betonte der Innensenator.
Er könne als Vermittler allerdings nur an die Vernunft und den guten
Willen beider Parteien appellieren. Deshalb wolle er auch noch einmal mit
dem Hauseigentümer reden. »Schließlich leben in dem Haus Yorckstraße 59
keine Chaoten. Dort wird anerkannte Arbeit geleistet.« Der Senator
machte aber auch klar, dass es sich bei dem Problem der angedrohten
Räumung um eine privatrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem
Hauseigentümer und »Yorck 59« handle. Wenn der Besitzer darauf poche, das
Haus für seine Zwecke zur Verfügung zu haben, könne er dies gerichtlich
durchsetzen. Das Recht habe er. Den Mietern riet Körting, sich ebenfalls
nach einem anderen Haus umzusehen. Der Bezirk werde bei der Suche
sicherlich behilflich sein, das Land könne nur »hilfreich zur Seite
stehen«. Bisher sei »Yorck 59« noch kein Angebot gemacht worden, so deren
Sprecherin. »Wir rechnen dem Senator hoch an, dass er sich so lange
Zeit für unsere Probleme genommen hat«, erklärte sie am Ende der
90-minütigen Verhandlungen. Von einem Ultimatum, das Haus bis zum 1.Mai zu
räumen, sei nicht mehr die Rede gewesen. Positiv werten die Mieter auch,
dass das Land Berlin dem Hauseigentümer weitere Objekte zum Tausch
anbieten wolle. Ein bisschen Hoffnung sei nun wieder da. Der
Hausbesitzer biete das Backsteingebäude den Mietern weiterhin zum Kauf an.
Der geforderte Preis von 2,5 Millionen Euro sei allerdings »völlig
überzogen«. Der Verkehrswert liegt nach Angaben der »Yorck 59«-Sprecherin
bei 1,7 Millionen Euro. In diesem Zusammenhang schlug Christian
Ströbele vor, Vorder- und Hinterhaus getrennt zum Kauf anzubieten, was
möglich sei. Dann könne der Liegenschaftsfonds Vorderhaus samt
Seitenflügel erwerben und »Yorck 59« das Hintergebäude. Den einst
genannten Räumungstermin Ende April hält auch Ströbele für illusorisch:
»Da gibt es seit 16 Jahren gewachsene Strukturen, da gibt es
Arbeitsstätten und Wohnraum unter einem Dach, da leben auch Kinder. Wo
wollen Sie in so kurzer Zeit eine ähnliche Unterkunft finden? Das ist
unmöglich!« Für die Mieter der Yorckstraße 59 steht auf jeden Fall fest:
»Das Projekt wird das Haus nicht freiwillig und kampflos verlassen. Eine
Räumung würde eine Eskalation des Konflikts nach sich ziehen.« Deshalb
sehe man es sehr positiv, dass Innensenator Körting noch einmal vermitteln
wolle.
(ND 22.03.05) |