YORCK59: Besuch bei den Kapitalgebern
Die HSH Nordbank ist die Bank, die dem neuen Hauseigentümer der Yorck59, Marc Walter, einen Kredit von 1,75 Mio Euro gewährte, mit dem dieser die Immobilie Yorckstr. 59 im Dezember 2003 kaufte. Nähere Angaben zu den dubiosen Umständen dieses Kaufs von der Labani GmbH und der Rolle Marc Walters schildert der beiliegende Offene Brief (siehe unten), der die HSH Nordbank dazu auffordert, ihre Geschäftsbeziehungen mit Marc Walter aufzukündigen.
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Weitere Termine:
Freitag, 13. Mai 2005, Statthaus Böcklerpark, 19:30 Uhr:
Diskussionsveranstaltung
"Do the City - Neoliberaler Stadtumbau und die Räumung der Yorck59".
Mit Margit Mayer, Professorin für Stadtentwicklungspolitik und
soziale Bewegungen, Ingrid Breckner, Professorin für Stadtsoziologie
und urbane Konflikte, sowie einer Vertreterin der Yorck59 und der Betroffenen-Gemeinschaft
Walde-Kiez.
Samstag, 14. Mai 2005, Heinrichplatz,18:00 Uhr:
Demonstration:
A U F D I E P L Ä T Z E, S T R A S S E N, L O S !
Y O R C K 5 9 V E R T E I D I G E N !
Live-Musik:
Y o k Q u e t s c h e n p o w e r
L a C a l z a d a d e l o s M u e r t o s
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HAUS-PROJEKT YORCK59
BewohnerInnen und Initiativen
Anitrassistische Initiative
Antirassistisches Telefon ZAG-Redaktion und andere
Berlin Hausprojekt „Yorck59“, Yorckstr. 59, HH 10965 Berlin
Vorstand und Aufsichtsrat
der HSH Nordbank AG
Alexander Stuhlmann / Heide Simonis
Möhrenstr. 42 10117
Berlin, 12.05.2005
Offener Brief wegen Ihrer Kreditvergabe an Marc Walter, Mommsenstr. 9, 10629 Berlin
Sehr geehrte Damen und Herren,
Wir wenden uns an Sie in der Angelegenheit unseres akut von Räumung
bedrohten Hausprojektes „Yorck59“ in Berlin-Kreuzberg. Vielleicht haben
Sie bereits aus der Presse der letzten Monate erfahren, dass unser neuer
Hauseigentümer Marc Walter im Stande ist, unser seit 1988 bestehendes
Hausprojekt samt 60 BewohnerInnen, darunter 10 Kinder, sowie zahlreiche
kulturelle und politische Initiativen am 30.5. von der Polizei räumen
zu lassen. Seit dem Ende seines Engagements bei der Deutschen Hypo (Filiale
Taubenstr, ganz in Ihrer Nähe) kauft Herr Walter auf dem Berliner
Immobilienmarkt ein. Erst vor wenigen Wochen scheiterte sein Versuch, die
Friedrichstr. 106 (Spreeterrassen) von der IHZ/WBM zu erwerben, an den
Protesten von MieterInnen, der Zahlungsunfähigkeit von Herrn Walter,
und vermutlich auch an der Angst der IHZ, in den Konflikt um unser Hausprojekt
hineingezogen zu werden. Seit dem Verkauf der Yorckstrasse 59 an Herrn
Walter kämpfen wir zusammen mit zahlreichen UnterstützerInnen
mit einer Kampagne „Yorck59 bleibt!“ für den Erhalt unseres Projektes.
Im Zuge dieser Kampagne konnten wir die Unterstützung mehrerer Landes-
und Bundestagsabgeordneter verschiedener Parteien, Senatsmitglieder, der
Bezirksverordnetenversammlung Friedrichhain/Kreuzbergs und der Landesverbände
der SPD und PDS gewinnen. Die vielen Aktionen, eine Pressesammlung und
Hintergrundinformationen finden Sie auf unserer web-site www.yorck59.net
dokumentiert. Für Sie könnte von Interesse sein, wie der Verkauf
der Yorckstraße 59 an Herrn Marc Walter im Dezember 2003 zu Stande
kam, da Sie ihm, gemäß der Akten des Grundbuchamtes, dafür
einen Kredit in Höhe von 1,75 Mio Euro bewilligten. Das Haus geriet
im Sommer 2003 in Zwangsverwaltung, da die Eigentümerfirma Labani
Grundstücks-GmbH & Co. KG Insolvenz angemeldet hatte. Die Gläubigerbank
SEB in Frankfurt/Main übertrug die Verkaufsverhandlungen an den Rechtsanwalt
der Labani, Rainer Kröger, mit dem wir bereits in den Jahren ´94/´95
als Verhandlungspartner zu tun hatten. Damals wollte die Labani unsere
Miete vervierfachen, doch es gelang uns mit Hilfe einer breiten politischen
Kampagne, eine Vertreibung durch massive Mieterhöhung zu verhindern.
Die Herren Helmut Penz und Dietrich Garski, bekannt für Immobilienspekulationen
und ein faktisches „Berufsverbot“ Garskis (wegen seiner Schulden beim Land
Berlin in Höhe von 93 Mio DM), mussten damals klein beigeben, wir
konnten bleiben. Die angeblich pleite gegangene Labani GmbH existiert nunmehr
weiter, sie wurde am Tag bevor der Kaufvertrag mit Marc Walter geschlossen
wurde nach Sötenich bei Aachen verlegt. Ihr eingetragener Geschäftsführer
Dr. Bruce Solomon aus Vermont/USA weiss nichts von dem Fortbestehen seiner
Firma. Herr Kröger verkaufte dann im Dezember 2003 im Freihandverkauf
nach der ersten, geplatzten Zwangsversteigerung das Haus an Herrn Walter,
ohne unser rechtzeitig geäußertes Kaufinteresse zu berücksichtigen.
Nachdem wir von der Zwangsversteigerung erfahren hatten (nur 5 Tage vor
dem ersten Versteigerungstermin), hatten wir in Zusammenarbeit mit dem
Freiburger Mietshäusersyndikat ein Finanzkonzept erarbeitet. Die SEB
verwies uns an Herrn RA Kröger. Dieser gab an, bereits mit einem Interessenten
zu verhandeln, daher interessiere ihn unser Angebot nicht. Nicht einmal
unsere Angebotssumme wollte er hören. Mit dem Verkauf an Marc Walter
war dann auch die Grundschuld von 4 Mio Euro, die auf dem Grundstück
lag, getilgt. Nun, im Nachhinein, äußert der damals zuständige
Herr Ohl von der SEB Bedauern über den Hergang des Verkaufs der Yorckstraße
59 und unsere daraus erwachsene Zwangslage und betont, dass wir bei einem
Angebot von 1,3 Mio € ins Geschäft gekommen wären, wenn
nicht RA Kröger mit dem Verkauf beauftragt gewesen wäre. Diese
dubiosen Umstände veranlassen uns zu der Annahme, dass der Verkauf
an Herrn Walter von vorn herein eine abgemachte Sache war. Beweise liegen
uns noch nicht vor, jedoch liegt die Vermutung liegt nahe, dass ein „Deal“
getroffen wurde um die Grundschuld loszuwerden. Evtl. ist nicht einmal
die Kaufsumme real geflossen. Denn warum sollte ein Haus, das bei der Zwangsversteigerung
nicht einmal ein Mindestgebot von 1 Mio € erzielt, plötzlich
für 1,45 Mio € über den Tisch gehen. Warum wären wir
mit 1,3 Mio € mit der SEB „ins Geschäft gekommen?“ Seit mehr
als einem Jahr versuchen wir, unser Projekt durch eine politische Lösung
langfristig zu erhalten. Bei einem Runden Tisch mit PolitikerInnen im Februar
´05, bei dem Herr Walter nicht erschien, legten wir ein Kaufangebot
für das gesamte Grundstück vor. Sein „Vorschlag“, den bis Ende
September 2004 geltenden Vertrag mit einer Mieterhöhung von 100% zu
verlängern, war unseriös und unrealistisch. Schließlich
hatte sein Geschäftspartner und Hausverwalter Gregor Marweld Wochen
vor dem Kauf bei einem Besuch in unserem Projekt feststellen müssen,
dass uns solch eine Mieterhöhung nicht zuzumuten sein wird, und wir
dies mit einer öffentlichen Kampagne für den Projekterhalt beantworten
würden. Seitens verschiedener PolitikerInnen aus Bezirk, Land Berlin,
Senat und dem Bundestag existiert seit mehreren Wochen ein Vorschlag, gemäß
dem Herr Walter eine gleichwertige Immobilie aus dem Liegenschaftsfonds
des Landes gegen die Yorckstraße 59 eintauschen könnte. Wir
würden dann vom Liegenschaftsfonds unser Hausprojekt kaufen. Doch
trotz des öffentlichen Drucks, der Interventionen des Innen- und Wirtschaftssenators,
und der Tatsache, dass Walter mit einer Räumung 60 Menschen auf die
Straße setzen würde, besteht er auf einem Verkaufspreis von
2,5 Mio € für die Immobilie bzw. einem Tauschobjekt in diesem
Wert. Falls er überhaupt den Kaufpreis von 1,45 Mio € gezahlt
hat, übersteigt die Summe von 2,5 Mio € bei weitem das, was er
bisher in das Haus investierte. Das Land Berlin ist nicht bereit, auf diese
Forderung einzugehen. Und auch wir finden es äußerst unseriös,
aus der Zwangslage von räumungsbedrohten MieterInnen und der Angst
der Stadt vor einer Aufsehen erregenden, gewaltsamen Räumung – es
wäre die größte Zwangsräumung seit vielen Jahren -
Kapital schlagen zu wollen. Schließlich wird ihm angeboten, sein
Profitinteresse, das ja nicht ortsgebunden ist wie unser Projekt, an anderer
Stelle zu realisieren. Seit Monaten wird von verschiedenen Seiten versucht,
mit dem Ziel einer friedlichen Lösung auf ihn einzuwirken. So sind
auch Sie als Geschäftspartner von Marc Walter gefragt zu prüfen,
inwieweit Sie in der Lage und Willens sind, darauf hin zu wirken, dass
diese unsoziale und für die Stadt Berlin äußerst unangenehme
Zwangsräumung verhindert wird. Schließlich haben Sie durch den
gewährten Kredit für Herrn Marc Walter eine gewisse Mitverantwortung
für das, was mit von Ihnen vergebenen Geldern angerichtet wird, und
eine nicht unwesentliche Einflussmöglichkeit bzgl. seiner weiteren
geschäftlichen Tätigkeiten und ihrer Finanzierung. Wir bitten
Sie, dies eingehend zu prüfen. Falls Sie des weiteren an einer Aufklärung
der dubiosen Umstände des Verkaufsverfahrens von der Labani an Walter
interessiert sind, können wir ihnen gerne noch umfangreiche Informationen
zur Verfügung stellen. Die Presse ist über diesen Offenen Brief
und die Übergabe an Sie informiert. Mit der Bitte um eine baldige
Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen Keine Räumung
niemals – Wir bleiben alle! Die BewohnerInnen und Initiativen des Hausprojektes
„Yorck59“ Für Ihre Antwort und Nachfragen stehen wir Ihnen gerne per
e-mail unter der Adresse
yorck59bleibt@gmx.net
zur Verfügung.
Cc. SEB Bank, Frankfurt
Senator für Wirtschaft, Herr Harald Wolf
Senatorin für Stadtentwicklung, Frau Ingeborg Junge-Reyer
Senator für Inneres, Herr Ehrhardt Körting
Hans Christian Ströbele, MdB Eckhard Barthel, MdB Iris Spranger,
MdA
Stefan Zackenfels, MdA
Jochen Esser, MdA
Steffen Zillich, MdA
Stefan Liebich, MdA
Franz Schulz, Baustadtrat Friedrichshain-Kreuzberg
Cornelia Reinauer, Berzirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg
